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Francis Rossi: The Accidental (Review)
| Artist: | Francis Rossi |
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| Album: | The Accidental |
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| Medium: | CD/LP/Download | |
| Stil: | Rock, Blues, Pop |
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| Label: | earMUSIC | |
| Spieldauer: | 55:41 | |
| Erschienen: | 30.01.2026 | |
| Website: | [Link] |
„The Accidental“ ist der offenkundige Beweis dafür, wie viel STATUS QUO doch tatsächlich – auch nach dem Tod von RICK PARFITT im Jahr 2016 – noch immer in dem nimmermüden 76-jährigen FRANCIS ROSSI wohnen. Und dass zwar vieles altern kann, aber nicht die unverkennbare, charismatische Rossi-Stimme und der Bandsound von STATUS QUO, den Rossi hier auf LP und CD mehr als offensichtlich wiederbelebt. Der Blick in die Glaskugel auf dem LP-Cover sollte im Grunde Rossis ehemalige Band zeigen.
Auf jeden Fall ist „The Accidental“ eine echte Überraschung geworden, denn nach dem Tod von Parfitt mied Rossi bisher in seiner Musik den Hang zu überdeutlichen, im Rockkontext stehenden STATUS QUO-Erinnerungen. Lieber ließ er sich auf größtenteils akustische Americana-Klänge solistisch oder in Begleitung mit anderen Musikern und Musikerinnen wie HANNAH RICKARD ein.
Diese Zeit ist mit „The Accidental“ definitiv vorbei, denn es erinnert von der ersten bis zur letzten 56. Minute rundum an die sehr erfolgreichen 80er-Jahre-Zeiten der vor gut 60 Jahren gegründeten britischen Kult-Band.
Aber war das nicht zu erwarten, nachdem sich Rossi bereits mit „The Way We Were“ wieder auf die Demo-Aufnahmen seiner Band gestürzt hatte, um diese im akustischen Gewand neu aufzunehmen?
Damals meinte Rossi noch dazu: „Auf diesem Album sind Demo-Aufnahmen versammelt, die mir wirklich gefallen oder die ich jetzt sogar für besser halte als die aufgenommenen Versionen, welche die Leute bereits kennen, sowie einige alternative Aufnahmen, die in diesem Format wirklich funktionieren. Hin und wieder habe ich diese Versionen gehört und hatte das Gefühl, dass sie es verdient haben, gehört zu werden, und ich hoffe, dass die Fans sie genauso mögen wie ich!“
Nun gibt es also auf „The Accidental“ keine STATUS QUO-Demos mehr, sondern 14 Songs, die unüberhörbar das SQ-Gen in sich tragen, so als würde sich auch ein Parfitt bester Gesundheit erfreuen. Leider kann der zu diesem Album nur von seiner Wolke aus Beifall klatschen. Aber das würde er garantiert tun. Im Grunde ein Fall für die großartige 10-LP-Box aus dem Jahr 2017, welche als „The Vinyl Collection 1981 - 1996“ veröffentlicht wurde und auf jeder LP die Aura ausstrahlt, der „The Accidental“ nunmehr innewohnt. So wird dieses Album für jeden Quo-Anhänger tatsächlich die darauf besungene „Beautiful World“.
Schon der knackige, mit feinem Gitarren-Riff eingeleitete Album-Opener „Much Better“ zeigt, wohin die Reise geht. Selbst der Text ist in gewisser Weise doppeldeutig.
Ist das eine Liebeserklärung an die Herzensdame – oder doch eine liebevolle Erinnerung an seinen viel zu früh gegangenen Kompagnon: „It's too loud / So clear the crowd / Close the door, shut the light when you go“?
Rossi beschwört ein Gemeinsamkeitsgefühl herauf, das einst zwar besser war, aber welches er nun auch alleine hinbekommt – so erscheint das gesamte Album wie ein musiklebendiger STATUS QUO-Beweis, der sich in seiner ganzen ehemaligen Schönheit zu neuer Größe erhebt.
Nicht umsonst ließ sich FRANCIS ROSSI für genau dieses Album wohl über sieben Jahre Zeit. Denn nicht nur die Musik, auch die Texte, die alle in dem 20 Seiten starken CD-Booklet oder dem vierseitigen LP-Einleger nachzulesen sind, atmen den Geist der längst vergangenen erfolgreichen Band-Jahre. Egal, ob die nun „Beautiful World“ oder „Time To Remember“ heißen, ob dem Blues Rock („Back On Our Homeground“) oder gar dem Boogie („Go Man Go“) oder Classic Rock („Time To Remember“) gehuldigt wird. Rossi spielt die ganze Bandbreite der Vergangenheit durch, indem er diese in seine ganz persönliche Gegenwart holt, so als wolle er uns allen mitteilen: „Seht ihr, ich kann's noch!“
Aus seinem Mund klingt das zwar ein wenig anders, drückt aber genau das Gleiche aus, wenn er zur Entstehung dieses Albums feststellt: „Das Album ist wirklich völlig unerwartet entstanden. Ich bin ständig im Studio, probiere Dinge aus, aber Anfang dieses Jahres ist etwas passiert – und ehe ich mich versah, hatten wir etwas Besonderes geschaffen. Wer meine bisherigen Soloalben mochte, wird überrascht sein. Dieses Album ist anders – laut, direkt, ehrlich. Ich liebe es.“
Unausweichlich natürlich auch die sich zur Hymne erhebende Ballade, die einfach dazugehört und das große Finale auf „The Accidental“ bildet und mit „Time To Remember“ die Feuerzeuge (Bitte nicht die Scheiß-Taschenlampen der tragbaren Telefone, die man wie doch nannte?) über den Köpfen schwenken lässt, wenn sie vielleicht auch ein Rossi-Konzert abschließt: „Here's to us all in it together / Starting it over, nothing to loose...“
FRANCIS ROSSI ist mit „The Accidental“ wieder absolut 'Old school'! Und das wird nicht nur den Kritiker freuen, sondern alle, die gerne noch ihre alten Platten von STATUS QUO aus dem Plattenschrank holen.
FAZIT: Noch einmal richtig hingeschaut: Steht da auf „The Accidental“ etwa STATUS QUO drauf? Schließlich klingt es doch genau danach (aber garantiert nicht nach einem Unfall) – ein Rick Parfitt hin oder her. Aber nein, der noch lebende Maestro FRANCIS ROSSI haut mit „The Accidental“ ein völlig unerwartetes (Solo-)Album im allerbesten STATUS QUO-Stil der 1980er-Jahre raus, das alle Trademarks besitzt, die der echte Quo-Fan seit dem Tod von Parfitt so schmerzhaft vermisste. In diesem Sinne ein Meisterwerk – und im Sinne eines FRANCIS ROSS eine völlig unerwartete, sich weit von den Americana-Einflüssen seiner vorherigen Solo-Alben entfernendes Meisterwerk, das man ihm nach den sieben Jahren Wartezeit seit seinem letzten Album so auf keinen Fall mehr zugetraut hätte.
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- Seite A:
- Much Better
- Go Man Go
- Push Comes To Shove
- Back On Our Home Ground
- Dead Of Night
- Going Home
- Bye My Love
- Seite B:
- Something In The Air (Stormy Weather)
- Picture Perfect
- November Again
- Things Will Get Better
- Oh So Good
- Beautiful World
- Time To Remember
- Bass - John Edwards, Jules Eccleston
- Gesang - Francis Rossi
- Gitarre - Francis Rossi, Hiran Ilangantilike, Andy Brook
- Keys - Francis Rossi, Paul Hirsh, Andy Brook
- Schlagzeug - Leon Cave
- The Way We Were Vol. 1 (2025)
- The Accidental (2026) - 12/15 Punkten
-
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