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Interview mit IMPURITY (30.01.2026)
Im Deaf Forever #64 stellte der umtriebige Kollege Ulf Imwiehe in der Rubrik "Under A Funeral Moon" eine junge Band namens IMPURITY aus Stockholm vor, die ihn "mit feinstem old-schooligen Death Metal“ überrascht hatte. Durch die Lektüre des kurzen Interviews ermuntert, lauschte ich bald einigen Songs, und die verfehlten keineswegs ihre Wirkung: Auch bei einigen nicht mehr ganz taufrischen Freunden zündete das Debüt "The Eternal Sleep" auf Anhieb, was jedoch kaum verwundert, wenn man sich vor Augen bzw. Ohren führt, dass das Quartett mit dem Feuer der Jugend und der Erfahrung der Pioniere – Tomas Skogsberg nahm das Album auf und Dan Swanö übernahm die Postproduktion – auftrumpft, während es ebenso abwechslungsreichen wie gnadenlos eingängig arrangierten Dödsmetal-Songs die landeseigene Tradition mit viel Herzblut belebt. Der für die Musik hauptverantwortliche Gitarrist und Grunzer Ville Esbjörn nahm sich nach zwei Konzerten im Vorprogramm von Dismember die Zeit, um den bisherigen Werdegang seiner Band zu reflektieren und klarzustellen, dass es für IMPURITY gerade erst losgeht…
Vor einigen Wochen traf ich Guido Hejnens (Hammerheart Records) auf einer kleinen Metal-Messe, und wir waren uns schnell einig, dass "The Eternal Sleep" das bisher beste Death-Metal-Album des Jahres 2025 sein muss. Seid Ihr überrascht von den Reaktionen auf Euer Debütalbum, das bereits als zweite Pressung in schwedischen Farben auf Vinyl erhältlich ist?
Ja, wir sind sehr überrascht, wie gut das Album aufgenommen wird, und wir erleben mit großer Freude, dass aufgrund der hohen Nachfrage so schnell eine zweite Pressung notwendig wurde.
"The Eternal Sleep" enthält viele Referenzen an die legendären Death-Metal-Bands aus Eurem Land, und da ich das Album "Prodigal Sun" von Afflicted seit 33 Jahren verehre, bin ich besonders begeistert zu hören, dass Ihr auch diesem individuellen Stil neues Leben einhaucht. Handelt es sich dabei um das Ergebnis einer bewussten Entscheidung oder geschieht das ganz natürlich – und diskutiert Ihr solche Aspekte bei Euren Proben?
Ich würde sagen, dass wir uns früher viel mehr darauf konzentriert haben, diese Ehrerbietungen zu betreiben. Das ging soweit, dass wir Teile von Songs quasi nachgebildet haben, z.B. soll "Tribute To Creation" an "But Life Goes On" von Entombed erinnern. Heutzutage sind wir beim Schreiben von Musik jedoch viel unabhängiger von diesen Wegmarken des schwedischen Death Metal und experimentieren mehr, um unseren eigenen unverwechselbaren Sound zu entwickeln. Glücklicherweise nehmen nicht allzu viele Leute unsere Live-Shows auf, sodass ihr bislang keine der neuen Songs, die wir live gespielt haben, online finden könnt...
Ich liebe es, wie die subtile Keyboardmelodie "Tribute To Creation" eine besondere Aura verleiht – ein perfektes Beispiel dafür, wie ein Keyboard die Atmosphäre nicht ruiniert, sondern unterstützt, ein bisschen so wie bei den frühen Tiamat in ihrer "Astral Sleep"- und "Clouds"-Ära. Details wie diese sind das Tüpfelchen auf dem i. Wer denkt sich solche Schmankerl aus und gibt es bestimmte Grenzen, die Ihr für Euren Sound als wichtig erachtet?
Im Fall von "Tribute to Creation" war ich es, der die Idee mit dem Synthesizer hatte, zu der ich vom "Howlings From The Darkness" eröffnenden Riff von Darkified inspiriert wurde. Auch bei anderen Synthesizer-Parts in neuen Songs war ich es, da ich der Hauptsongwriter der Band bin, doch auch Axel steuert oft Harmonien und kleine Lead-Passagen bei, auf die ich nicht gekommen wäre.
Heutzutage veröffentlicht nicht jede Newcomer-Band ein Debüt-Album, das von Skogsberg aufgenommen und von Swanö gemastert wurde. IMPURITY hatte also einen bemerkenswerten Start, und ich kann mir gut vorstellen, dass Ihr bereits überlegt, mit wem Ihr in Zukunft – vielleicht wieder – zusammenarbeiten wollt?
Auch bei unserer zukünftigen Veröffentlichung wird uns höchstwahrscheinlich wieder eine Kombination aus Dan Swanö und Tomas Skogsberg unter die Arme greifen. Es war toll, mit beiden zusammenzuarbeiten, allerdings war Tomas nicht wirklich von dem Gitarren-Sound überzeugt, den wir ursprünglich wollten. Er war anfangs viel brutaler und schriller und wurde dann später abgeschwächt.
Vor nicht allzu langer Zeit traf die traurige Nachricht von Tompas Tod viele Fans seiner Musik, und ich erinnerte mich an den At-the-Gates-Gig auf der Tour zu ihrem "Slaughter Of The Soul" Album, wobei mir der Refrain „Nausea, oh sweet Nausea“ durch den Kopf ging; eines der intensivsten Death-Metal-Konzerte, die ich in meinem Leben gesehen habe. Würde es Dich belasten, von Leuten meines Jahrgangs zu hören, dass wir (mittel-)alten Säcke durch Bands wie IMPURITY und andere die Hoffnung haben, dass Death Metal weiterLEBT...?
Keineswegs, denn wie alle Musikrichtungen und Kulturen ist auch der Sound des Death Metal mitnichten homogen oder unveränderlich, sondern wird sich immer wieder wandeln. Wenn jemand unseren Sound aus irgendeinem Grund nicht mag, liegt das oft daran, dass wir nicht wie seine Lieblingsbands klingen, und das ist in Ordnung, denn es diskreditiert nicht uns, sondern beweist nur, dass Musikgeschmack subjektiv ist. Ich glaube gerne, dass unsere Vorgänger stolz darauf sind, dass das Erbe des schwedischen Death Metal auf die eine oder andere Weise weiterlebt.
Freja Reuterskiöld hat meiner Meinung nach ein perfektes Cover-Artwork für "The Eternal Sleep" erschaffen, das einerseits ästhetische Elemente klassischer Alben aufgreift und andererseits durch seine Farben eine frische Atmosphäre vermittelt. Ich kann es mir immer wieder ansehen, ohne dass es langweilig wird. Wurde es nach Euren Vorstellungen gemalt oder wie ist es entstanden? Werdet ihr wieder mit Freja zusammenarbeiten?
Die Farbgebung entspricht nicht so ganz unseren ursprünglichen Vorstellungen, aber wir sind natürlich trotzdem sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Das Cover entspricht auch nicht ganz unserer Vorstellung davon, wie es aussehen sollte, aber das ist fast nie der Fall, da es sehr schwierig ist, seine Ideen nur mit Worten zu vermitteln. Freja ist eine sehr enge Freundin von mir, doch ich weiß noch nicht, ob wir wieder mit ihr zusammenarbeiten werden. Nicht, weil wir in irgendeiner Weise unzufrieden wären, sondern weil Hammerheart Records sich vielleicht wünschen, dass wir für unsere kommende Veröffentlichung mit einem bekannteren Künstler zusammenarbeiten ...
IMPURITY wurde 2022 gegründet, als die Corona-Krise noch immer das gesellschaftliche Leben beeinträchtigte. War die Band auch ein Mittel, um sich von dem eher passiven und zurückgezogenen Charakter dieser Zeit zu befreien, oder was waren damals eure Ziele?
Ich kann mich kaum daran erinnern, wie sich die Pandemie auf uns ausgewirkt hat, und da wir in Schweden leben, haben wir unser Leben wie gewohnt weitergeführt, denn das war die schwedische Herangehensweise in der Pandemie. Natürlich waren wir vorsichtiger, wenn jemand Symptome zeigte, doch ich kann mich nicht daran erinnern, dass die Band gegründet wurde, um der Depression der Pandemie zu entkommen. Ich glaube, zusammen mit unserem früheren Bassist Liam haben wir beschlossen, dass wir Death Metal spielen wollten, anstatt Black Metal, auf den sich unsere vorige, gescheiterte Band Eikthyrner konzentriert hatte. Das war wirklich keine komplizierte Sache. Black Metal zu spielen, langweilte uns, und Death Metal schien aufregend.
Im Interview mit dem Deaf Forever hast Du berichtet, dass einer Deiner Lehrer in der Schule Dich auf den ursprünglichen schwedischen Death Metal aufmerksam gemacht hatte. Hast Du ihm ein Exemplar von "The Eternal Sleep" für einen der besten Tipps, die ein Lehrer geben kann, geschenkt?
Haha, wow, das ist wirklich eine Anekdote! Leider habe ich keine Ahnung, was er heute macht und ob er überhaupt noch an meiner alten Schule arbeitet, da ich meine dortige Laufbahn vor fast fünf Jahren abschloss. Ich habe tatsächlich überlegt, ihm ein Exemplar des Albums zu schenken, doch ich habe mich auch erinnert, dass er keinen Plattenspieler besitzt, denn seine Frau fand solche Geräte "hässlich" und erlaubte ihm keinen... Vielleicht kann ich ihm eines Tages stattdessen ein T-Shirt schenken.
Was steht als nächstes für IMPURITY an und wann werdet Ihr nach Süden reisen, um die deutschen Bühnen in Schutt und Asche zu legen?
Ich glaube, nur einen Tag nachdem du wegen dem Interview auf uns zugekommen bist, haben wir unseren Auftritt beim Braincrusher In Hell in Hirschaid zusammen mit Grave und Vinterland verkündet - wie passend war das denn?! Zwischen dem 27. und 28. März 2026 werden wir also Deutschland heimsuchen, um eine Show zu spielen, und bereits im November 2025 werden wir in Danzig in Polen spielen. Es wird noch viele weitere europäische Shows geben, die wir in Kürze bekannt geben werden... Abgesehen von diesen Konzerten werden wir bald mit dem Schreiben neuer Songs fertig sein und hoffentlich sehr bald unser neues Album aufnehmen. Doch ich weiß nicht, wie viel mehr ich dir über diesen Prozess hier und jetzt erzählen kann...
Danke für deine Zeit, Ville – Death Metal Victory!
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