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Man: Live At Rockpalast 1975 (Review)

Artist:

Man

Man: Live At Rockpalast 1975
Album:

Live At Rockpalast 1975

Medium: CD+DVD
Stil:

Psychedelic, Rock, Blues, Folk, Westcoast

Label: MIG music
Spieldauer: CD – 60:00 / DVD – 66:00
Erschienen: 31.10.2025
Website: [Link]

Raritäten-Alarm!
Ohne Frage ist dieser DVD-CD-Doppeldecker mit dem 1975er-Auftritt von MAN im Rockpalast ein absoluter Sammler-Leckerbissen (für den man schon verdammt tief in den Rockpalast-Archiven wühlen musste), selbst wenn das Konzert der walisischen Band nicht durchgängig professionell klingt, denn nicht umsonst genossen MAN damals – also vor mehr als einem halben Jahrhundert – nur einen Geheimstatus, obwohl man sie neben PINK FLOYD als Mitbegründer der Prog/Psychedelic-Szene des Undergrounds zählte.
Die Jungs um den 2017 verstorbenen singenden Gitarristen und Keyboarder DEKE LEONARD (der auch einige beachtliche Solo-Alben veröffentlichte) ließen sich nie die Freude am progressiven Musizieren nehmen und waren noch dazu extrem schwer in irgendwelche stilistischen Schubladen zu stecken. Selbst wenn der eine oder andere Ton ziemlich schief klang, z.B. wie am Konzertbeginn, das mit „7171-551“ mit ein paar schrägen Tönen an der Gitarre eröffnet wird.

Super.
Das ist eben live.
Gleiches gilt dann auch für den folgenden schrägen Gesang. MAN präsentierten eigentlich ziemlich geile Kompositionen, deren Live-Aufführung allerdings hinter den ersten Stücken etwas zurückblieb, die deutlich besser im Studio für das damals aktuelle Album „Maximum Darkness“ aufgenommen worden waren.
Dagegen offenbart Schlagzeuger Terry Williams seine ganz große Klasse, sodass es nach diesem Konzert nicht verwundert, dass er (nachdem sich MAN 1977 im Streit aufgelöst hatte) ab 1982 bis 1988 bei den DIRE STRAITS hinter den Fellen den Stammplatz einnahm.

Im Laufe des Konzerts spielen und singen sich die Gitarristen allerdings immer besser ein und lassen es ordentlich krachen, sodass sie ab dem „Hard Way To Die“ nicht mehr Gefahr laufen, auch auf der Bühne sterben zu müssen, sondern ab dem „Hard Way To Live“ kurz vor Konzertende gehörig abgefeiert werden. Bei dieser schwer einzuordnenden Musik dürfen auf jeden Fall die Freunde von BIRTHCONTROL, besonders wegen der vielen Orgel-Parts, begeistert sein. Denn genau diese Band kommt einem beim Hören von MAN immer wieder in den Sinn, da sie härteren Rock und verspielte Psychedelic sowie Blues und Folk ordentlich miteinander verknüpfen.

In puncto der psychedelischen Klangwelt schlägt dann das über 23 Minuten lange „C'mon“ mit einem drogenschwanger getränkten Intro und einer extrem wilden – dieses Mal in Richtung QUICKSILVER MESSENGER SERVICE sowie WISHBONE ASH und LED ZEPPELIN tendierend – Nummer komplett ein. Leider ist der Sound dieser Aufnahme trotz liebevoller Nachbearbeitung nicht sehr hochwertig und der Gesang kommt etwas verwaschen rüber; völlig egal: diese Live-Version ist ein absolutes Highlight – voller Soli und breit angelegten Improvisationen –, das man nicht nur als MAN-Fan gehört und gesehen haben sollte.

Später darf man dann den extrem seltsamen und schwer verständlichen deutschsprachigen Ansagen über eine Flasche Orangensaft oder politische Gesinnungen ihres Bassisten Martin Ace lauschen und sich seinen eigenen Reim darauf machen. Der Mann, der als einziges verbliebenes Mitglied heute noch bei MAN aktiv ist, besitzt viel Humor, so schwer man diesem auch bei seinen Deutschkenntnissen folgen kann – und ist ein herrliches Gegenstück zu solchen deutschen Knallchargen wie einem Grönemeyer oder Krumbiegel, die einem heutzutage als Musiker die politische Welt besserwissend und intolerant von der Bühne aus erklären wollen.

Vorbildlich ist dank des Labels MIG music auch die Aufmachung von „Live At Rockpalast 1975“. So stecken nicht nur die DVD und CD im dreiflügeligen Digipak, sondern auch ein achtseitiges Booklet, in dem Leonard noch drei Jahre vor seinem Tod all seine Erinnerungen zu diesem Konzert zu Papier brachte, die nun neben mehreren Konzert-Fotos detailliert nachzulesen sind.

FAZIT: Als eine der ersten Bands trat im Rahmen des 1974 aus der Taufe gehobenen Rockpalasts im Jahr 1975 die walisische Band MAN mit ihrem oft improvisierten Musik-Mix aus Psyche, Folk, Rock, Blues und Westcoast in Köln auf. „Live At Rockpalast 1975“ ist ein beachtlicher Konzertmitschnitt, bei dem nicht immer alles ganz glatt läuft, was bestens zu der Zeit und Musik von MAN passt, die laut ihres Mitstreiters Deke Leonard sich gerne berauschenden Substanzen zuwandten (nachzulesen im achtseitigen Booklet). Mit dieser soundtechnisch neu überarbeiteten DVD/CD-2014er-Wiederveröffentlichung im dreiflügeligen Digipak von MIG music darf gerne jede Menge Sammler-Begeisterung aufkommen. Kult!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 54x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • CD (60:00):
  • 7171-551
  • Hard Way To Die
  • C'mon
  • Something Is Calling
  • A Hard Way To Live
  • Many Are Called, But Few Get Up
  • DVD (66:00):
  • 7171-551
  • Hard Way To Die
  • C'mon
  • Something Is Calling
  • A Hard Way To Live
  • Many Are Called, But Few Get Up

Besetzung:

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