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A. A. Williams: Solstice (Review)
| Artist: | A. A. Williams |
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| Album: | Solstice |
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| Medium: | CD/LP/Download | |
| Stil: | Chamber Pop, Post-Rock, Black Metal, Folk |
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| Label: | Reigning Phoenix Music | |
| Spieldauer: | 58:14 | |
| Erschienen: | 05.06.2026 | |
| Website: | [Link] |
Die Noten, welche „Solstice“ in den einschlägigen Gazetten teilweise einheimst, könnten fabelhafter kaum sein. Insofern scheint A. A. WILLIAMS‘ aktuelles Lebenszeichen nach drei vollen Alben und drei EPs (unter Anderem mit den japanischen Vorzeige-Postrockern von MONO) ein voller Erfolg zu werden.
Dass Williams, die keine Singer/Songwriterin im herkömmlichen Sinne darstellt, im Vorprogramm solch unterschiedlicher Acts wie CULT OF LUNA, SISTERS OF MERCY oder SLEEP TOKEN aufgespielt hat, ist für die stilistische Einordnung eher abträglich als hilfreich. Ebenso lässt sich die Musik nur schwerlich auf einer Achse zwischen EMMA RUTH RUNDLE (unerreicht, in ihrer eigenen Sphäre) und CHELSEA WOLFE (im Vergleich deutlich unzugänglicher, aber auch variabler) platzieren, wie das einige Foristen vorschlagen. Am ehesten könnte daher noch die dänische Sängerin und Multiinstrumentalistin Amalie Bruun, besser bekannt unter dem Alias MYRKUR, als Referenzgröße in Betracht gezogen werden, immerhin bringt diese, ähnlich unverhohlen wie Williams, die Extreme aus Düster-Pop und Black Metal in einen unerhörten musikalischen Kontext. Das rein Scandi-Folk-Mäßige hat für die britische Musikerin indessen genauso wenig Bedeutung wie irgendwelche Anflüge besonderer metallischer Härte (i. e. Double Bass, Blastbeats).
Die ersten Single-Auskopplungen geben zusammengenommen einen aussagekräftigen Einblick in die gesamte Musik von „Solstice“, welche mit einer verhältnismäßig üppigen Spielzeit von einer knappen Stunde zu Buche schlägt.
‚Poison‘ hat neben spröden, pianodurchsetzten Stakkato-Gitarren und postrockiger Schwermut einige respektable Songwriting-Kniffe parat: Nachdem der Refrain im zweiten Durchlauf erweitert wurde, kommt die nachfolgende Bridge eigentlich als Variante des Kehrverses, nunmehr zweistimmig, daher, was für eine gelungene Überraschung sorgt. Ähnlich detailverliebt gerät auch ‚Wolves‘, welches die ruhigen Momente subtil verändert, bevor Williams es majestätisch und melancholisch in wie gehabt postrockartiger Manier ausklingen lässt. ‚Hold it together‘ führt das Piano-Intro als Stilmittel ein, punktet vor allem mit seinen eindringlichen Gesangsharmonien und gibt dabei trübsalblasenden Chamber Pop ab. Wenn jedoch die Black-Metal-gesättigten Gitarrenwände ausgewalzt werden, in welche sich unheilvoll die Pianoklänge hineinlegen, wird einem zunehmend klar, dass Williams am regulären Pop-Kosmos eigentlich vorbeimusiziert und eine eigenständige Vision verfolgt. Bemerkenswert scheint daran, dass die Verbindung von Musikstilen, die in sich gegensätzlicher kaum sein könnten, erstaunlich gut funktioniert.
Oberflächlich betrachtet, dürfte man dies Tonerzeugnis ein Stück weit unterschätzen; erst bei genauerem Hinhören treten nämlich einige spannende Wendungen zutage. Im Soundgebilde aus wummernden Elektronika, sphärischen Keyboards und groovigem Schlagzeugspiel stechen beispielsweise die simplen, aber effektiven Zwischentöne, hier ebenfalls am Tasteninstrument vollbracht, heraus, während die Pop-Elemente sich im Laufe des Songs zu gitarrenlastiger doomy gloomy Düstermucke wandeln können (‚Little By Little‘). Außer dem oben bereits erwähnten Piano-Intro kommen als Stilmittel zudem typische Dynamiken ins Spiel. Zwar bekommt eine Nummer wie ‚Outlines‘ durch den (nicht singulären) Einsatz einer Violine einen folkigen Touch, bedeutsamer fällt hingegen die Tatsache aus, dass die Instrumentierung sich zwecks Neuaufbau des Songs stark zurückzieht und das anschließende Crescendo wie zuvor in tremolierenden Gitarren gipfelt.
Die Verkleinerung der musikalischen Bandbreite mithin auf regelrechte Solo-Stücke findet ihren sinnfälligsten Ausdruck schließlich in der Piano-Ballade ‚The Veil‘. Die mal wieder von Trübsinn und Finsternis aufgeladene vierte Single ‚Just A Shadow‘ geht im Vergleich dazu fast schon nach vorne und legt gerade in ihren letzten Zügen schwergewichtigen Post Metal nach. Vom dezenten Dark-Synth-Pop-Charme des optimistisch stimmenden ‚It Won’t Rain Forever‘ abgesehen, weicht Williams kaum vom Repertoire bewährter Stilmittel ab, was allerdings in Summe nicht wehtut, weil das Niveau bis zum Ende hin hochgehalten wird. Der vorletzte Track ‚Breathe‘ mag dafür als Indiz gelten, offeriert er doch, zunächst unabhängig voneinander, dann vermischt, ziemlich mitreißende Arpeggios sowie herrliche Nachtmusik mit Gitarren und Geigen.
FAZIT: A. A. WILLIAMS hat sich mit „Solstice“ wohl zurecht die Sympathien der Metal- und Rock-Redaktionen erspielt. Die eingängige Mischung aus Post-Rock, düsterem Metal, Chamber Pop, Alternative und einer Prise Folk hinterlässt nicht nur eigene Duftmarken, sondern belohnt auch aufmerksame Rezipienten. Nur ist sie zur falschen Zeit erschienen. Besonders sommerlich tönt nämlich keine der elf Kompositionen. Viel eher laden sie zu Nachdenklichkeit und Introspektion vor herbstlicher Kulisse ein.
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- Poison (4:59)
- Wolves (4:36)
- Little By Little (5:22)
- Hold It Together (6:35)
- Outlines (6:17)
- I've Seen Enough (5:11)
- The Veil (3:27)
- Just A Shadow (4:46)
- It Won't Rain Forever (5:32)
- Breathe (5:24)
- The Gentle Harm (6:03)
- Gesang - A. A. Williams
- Gitarre - A. A. Williams, Matthew De Burgh Daly
- Schlagzeug - Wayne Proctor
- Sonstige - Matthew De Burgh Daly (Bass Flute, Additional Drums)
- Solstice (2026) - 12/15 Punkten
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