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Legacy Pilots: Camera Obscura – Volume I (Review)

Artist:

Legacy Pilots

Legacy Pilots: Camera Obscura – Volume I
Album:

Camera Obscura – Volume I

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Progressive- und Melodic-Rock, AOR, Art Pop

Label: Eigenpressung/Just For Kicks
Spieldauer: 44:51
Erschienen: 08.05.2026
Website: [Link]

Start frei! Mitten hinein in das schwarze Loch, das uns die Band um FRANK US auf ihrer melodisch-progressiven Rock-Mischung der „Camera Obscura – Volume I“ präsentieren.
So heben die Vermächtnis-Piloten unter dem deutschen Musik-Kapitän FRANK US zu gleich zwei großen Progressive-Rock-Flügen (in durchaus unterschiedliche Richtungen) ab, bei denen sie ihre Lochkamera – also den dunklen Raum zur Projektion von seitenverkehrten Bildern – nicht vergessen! Denn die ist hierfür unerlässlich: Weil die LEGACY PILOTS auf dem ersten wie auch diesem zweiten Teil von „Camera Obscura“ genau die musikalischen Kopfbilder für ihre dunklen Traum-Räume bieten.


Natürlich kommt in diesem Moment sofort die Frage auf, warum beide Teile getrennt voneinander vertrieben werden, obwohl sie bereits fix und fertig sind. Hierzu gibt Herr Us eindeutig Auskunft: „Mir gefällt die Idee, dass man sich das Album aussuchen kann, das gerade zur eigenen Stimmung passt. 'Camera Obscura' ist die bisher größte und aufwendigste Produktion der Pilots. Ich denke, es wird Wochen dauern, bis die Hörer das Material wirklich kennengelernt haben, weil wir unfassbar viele Ideen in die Tracks aufgenommen haben. Es wird sehr viel zu entdecken geben. Ich bin fest davon überzeugt, dass uns hier mehr als nur einige außergewöhnliche Tracks gelungen sind.“

Es sind die Unterschiede zwischen den beiden Alben, die sie trennen. Obwohl diese auch als limitierte Versionen in sich vereint zu erwerben sind.


Der erste – hier besprochene – Teil setzt auf die melodischeren und ruhigeren progressiven Rock-Stücke, die mehr leuchten, während der zweite Teil sich der finsteren Seite dieser Musikrichtung zuwendet. Beide Album-Cover erscheinen zudem fast identisch und erinnern an einen H.R. GIGER, der garantiert allen ELP- und Alien-Fans ein Begriff sein sollte, obwohl gerade der erste Teil durchaus heller hätte ausfallen dürfen, um die musikalische Stimmung besser zum Ausdruck zu bringen. Für Teil 2 fällt das Cover jedenfalls stimmungsmäßig sehr zutreffend aus.

Beide Alben, die es auch als vereinte Variante auf Doppel-Vinyl zu erstehen gibt, zeichnet eine sehr fette Produktion voller Volumen und beeindruckenden Stereo-Effekten aus. In der hier zur Review vorliegenden CD gibt es noch ein zweiflügeliges Digipak mit vierseitigem Text-Booklet mit dazu, wobei sich die Texte den Alltagsproblemen unserer Zeit zuwenden, die beispielsweise auch durch den Ukraine-Krieg und die Trump-Wiederwahl geprägt sind.


Daher klingt beispielsweise ein Liebeslied wie „My Anchor“ durchaus etwas finsterer, beeindruckt aber gerade dadurch. Hier treffen düstere Sounds auf eine weibliche Stimme, welche die Dunkelheit mit ihren hohen und zarten vokalen Flügen nach und nach vertreibt, während immer wieder ein Klavier für zärtliche, vorsichtig hintergründig-jazzige Harmonien sorgt. Ein wunderschöner Song, der sogar mainstream-erprobte Radiohörer begeistern und bei dem einen oder anderen Wechsel gar verblüffen – aber durchweg gefallen – könnte.

Wie gewohnt tauchen im Rahmen des Albums wieder so einige namhafte Musiker als Prog-Piloten auf, die man von MARILLION bis IT BITES und SPOCK'S BEARD kennt und prägen zugleich den Sound hinter „Camera Obscura – Volume I“, der sich zwischen Art- und Melodic-Rock, Sympho-Prog, etwas Jazz und Fusion sowie der einen oder anderen poppigen Melodie bewegt und oft, wie beispielsweise im wortwörtlich himmlischen „Cloud City“, zwischen Elektronik und Akustik wie ein GREENscher „Albatros“ regelrecht abzuheben scheint.


Camera Obscura – Volume I“ ist trotz seiner progressiven Verspieltheit – besonders in den längeren Stücken wie „Afterglow“ und „A Fleeting Echo“ – ein harmonisches und entspanntes sowie angenehme melodiöse Stimmungen verbreitendes Album geworden, das noch dazu von so großartigen Sängern wie FINALLY GEORGE sowie JOHN MITCHELL und JAKE LIVGREN (übrigens der Neffe des KANSAS-Urgesteins KERRY L.) lebt, die den im vierseitigen Booklet nachzulesenden Texten eine intensive Tiefe verleihen, wobei neben den männlichen Gesangseinlagen auf „My Anchor“ dann eine LIZA für angenehme weibliche Abwechslung sorgt.

Wer allerdings den Progressive Rock vordergründig mit verspielter Komplexität und Experimentierfreudigkeit in Verbindung bringt, dem wird „Camera Obscura – Volume I“ mit seinem Hang zwischen der erdverbundenen (Pop-)Band eines MANFRED MANN oder popfreudigen STYX und den collinsschen GENESIS wohl zu harmoniebedürftig und melodiebetont ausfallen, obwohl gerade auch die sehr bildhaft gehaltenen Texte (Übrigens ist „Afterglow“ nicht etwa eine Coverversion des bekannten GENESIS-Songs!) sich ideal der musikalischen Stimmung des ersten Teils von „Camera Obscura“ anpassen.

Ein Album, das eben in seinem ersten Teil leuchtet, bevor sich dann der zweite Teil mehr in Richtung Finsternis begibt.


FAZIT: Es sind die melodischeren, aber trotzdem noch immer echt progressiv rockenden Songs, die FRANK US und seine LEGACY PILOTS im ersten Teil von „Camera Obscura“ auf den Silberling bannen. Der zweite Teil liegt allerdings auch schon bereit und gibt sich dann experimenteller, deutlich prog-rockender und exaltierter. „Camera Obscura – Volume I“ darf in erster Linie von den harmonie- wie melodiebedürftigen Proggies genossen werden, die gerne auch das Radio anschalten wenn die poppigeren Werke von MANFRED MANN oder ALAN PARSONS und den Collins-GENESIS dort erklingen. Und da eine Lochkamera bekanntlich, wenn man hindurchblickt, die Bilder auf den Kopf stellt, so stellen die LEGACY PILOTS ihre Maschine eben vom Prog- auf den Melodic-Kopf, wobei sich die Texte (verewigt im vierseitigen Booklet es Digipaks) um die persönlichen Probleme der Gegenwart drehen, die unter anderen durch den Ukraine-Krieg und die Trump-Wahl ausgelöst wurden.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 23x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
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Tracklist:
  • Midnight Tide Part I
  • Midnight Tide Part II (Instrumental)
  • Midnight Tide Part III
  • My Anchor
  • Cloud City
  • A Fleeting Echo
  • No Pause In Time
  • Afterglow

Besetzung:

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