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Bedouine: Neon Summer Skin (Review)

Artist:

Bedouine

Bedouine: Neon Summer Skin
Album:

Neon Summer Skin

Medium: CD/Download/LP
Stil:

Singer/Songwriter, Westcoast-, Soul-, Chamber- & Folkpop

Label: Thirty Tigers
Spieldauer: 41:53
Erschienen: 05.06.2026
Website: [Link]

Mit ihrem vierten Album begibt sich die syrisch-amerikanische Troubadourin AZNIV KOREJIAN – die sich bekanntlich für den Projektnamen BEDOUINE entschieden hat, um auf ihr rastloses Leben zwischen den Kontinenten und Kulturen hinzuweisen – auf die Suche nach ihren Wurzeln, ihrer Familie und sich selbst.
Inspiriert von einem Besuch ihrer Familie in Saudi-Arabien evoziert die eigentlich in den USA lebende Musikerin Kindheitserinnerungen aus ihrer Geburtsstadt Aleppo und Erinnerungen an Orte, die sie besuchte oder wo sie lebte – neben den USA etwa Armenien, dem Libanon oder Saudi Arabien. Damit wird sie wesentlich persönlicher, als auf ihren bisherigen drei Alben – den auf MATTHEW E. WHITEs Spacebomb-Label veröffentlichten Alben "Bedouine" sowie "Bird Songs Of A Killjoy" und dem selbst verlegten "Waysides", auf denen sie eher universelle Weisheiten kolportierte, als emotionales Soul-Searching zu betreiben.


Kein Wunder also, dass sie sich – zusammen mit ihrem langjährigen musikalischen Partner GUS SEYFFERT – für dieses Projekt einen neuen musikalischen Setzkasten baute, der dieses neue Werk völlig anders klingen lässt, als die beiden eher orchestralen Erstlings-Werke und das Gitarren-lastige "Waysides".

Erstmals griff BEDOUINE nunmehr auf das Klavier als Leitinstrument zurück (anstatt wie bislang auf die akustische Gitarre) – weil es genau das Instrument war, mit dem sie als Kind auf Geheiß ihrer Mutter ihre Laufbahn als Musikerin dereinst eingeschlagen hatte. Weiterhin erinnerte sie sich daran, dass sie als Kind in der Grundschule Trompete zu spielen lernte – und nutzte diese Erfahrungen, um die Arrangements auf "Neon Summer Skin" mit allerlei Bläsersounds anzureichern – darunter Ventil-Posaune und Tuba, aber auch Flöte und (was nicht sonderlich nahe liegt) Mellotron-Sounds.

Alleine dieser direkte Bezug zwischen den genannten Instrumenten ihrer Kindheit und den entsprechenden Erinnerung kommt dem Thema des Albums – der Suche nach der Geborgenheit im Schoße der Familie – konzeptionell entgegen und lässte es zu einer sehr viel persönlicheren, intimeren Angelegenheit werden.


Interessanterweise hatte dieser grundlegend geänderte Ansatz zur Folge, dass sich BEDOUINE stilistisch in für sie neue Richtungen orientiert. Neben eher dezenten Anspielungen auf ihre arabischen Wurzeln und einer Prise Ethno-Pop (wie z.B. in dem auf arabisch vorgetragenen Song "Deghma") sind es vor allen Dingen klassische Westcoast- und Laurel-Canyon-Sounds im Stile etwa der CARPENTERS oder CAROLE KING (an deren Timbre sie erinnert) – aber auch verhaltene Psychedelia, Bossa-Vibes, eine Prise Soul und Chamber-Pop, welche die gewünschte heimelige Stimmung erzeugen. Zusätzliche Solo-Piano-Instrumentals um den Song "Canopies" herum leisten dieser Stimmung in Form musikgewordener Kindheitserinnerungen Vortrieb.

Aber auch die 'alte' BEDOUINE lässt sich im besinnlichen Titeltrack, der folkigen Nummer "Canopies", oder in der opulent angerichteten Psyche-Pop-Nummer "Long Way To Fall" wiedererkennen. So sind es nicht die musikalische Referenzen, die ihrer Musik einen Rahmen verleihen, sondern die ungemein detailreich ausgearbeiteten, poetischen Texte, mit denen sie mittels blumiger Metaphern und Bilder die Geschichte ihrer Familie erzählt, die sie teilweise mit Field Recordings unterlegt – etwa in dem Schlüsseltrack "Canopies", der von der Zeit berichtet, als ihre Mutter in einem Waisenhaus lebte, in welches sie ihre eigene Mutter gebracht hatte – als Schutz vor dem übergriffigen Vater.


Hierbei geht es BEDOUINE keineswegs darum, die Vergangenheit romantisch zu verklären, sondern darum, für sich eine Möglichkeit zu finden, wie sie damit umgehen soll, dass die Stätten ihrer Herkunft allmählich allesamt im Chaos und Krieg der Gegenwart unterzugehen drohen und dabei die familiären Bande zerstört werden. Selbst unter Berücksichtigung der Tatsache, dass man sowieso nicht zu der Form eines Zuhauses zurückkehren kann, das man vor langer Zeit verlassen hat (weil es ja schlicht nicht mehr existiert), ist das im Falle einer notorischen Weltenbummlerin deutlich problematischer. Das hat eine durchweg melancholische Grundstimmung des Albums zur Folge, welche allerdings eher in der Akzeptanz als in der Resignation und Schwermut mündet. Dass BEDOUINE den Zustand der ursprünglichen Geborgenheit im Schoß der Familie nie wieder erreichen wird, ist für sie selbstverständlich – und genau dieses Sentiment veranschaulicht die Stimmung des Albums.

Auch gesanglich scheint sich BEDOUINE dem Tenor des ihres Projektes insofern angepasst zu haben, dass sie eine Spur stoischer und getragener singt. Eine KAREN CARPENTER als referentielle gesangliche Landmarke passt diesbezüglich sehr gut. Unterm Strich lernt man auf "Neon Summer Skin" gleich mehrere neue wie interessante Facetten im Wirken von BEDOUINE kennen.


FAZIT: Mit ihrem Album „Neon Summer Skin“ schlägt die armenisch-amerikanische Songwriterin AZNIV KOREJIAN a.k.a. BEDOUINE sowohl inhaltlich wie auch musikalisch ein neues Kapitel auf und begeistert mit einem komplett neuen, spannenden Sounddesign, das sich auf die Tugenden der klassischen Westcoast-Traditionen und persönliche Narrative beruft, welche den nächsten Schritt in in ihrer Songwriter-Laufbahn markieren.

Ullrich Maurer (Info) (Review 28x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • On My Own
  • Long Way To Fall
  • Always On Time
  • One Thing Right
  • Neon Summer Skin
  • Canopies (Intro)
  • Canopies
  • Deghma
  • Na Na Na
  • White Patton
  • Canopies (Solo Piano)

Besetzung:

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