Musikreviews.de bei Facebook Musikreviews.de bei Twitter

Partner

Statistiken

Sylvie: New Season (Review)

Artist:

Sylvie

Sylvie: New Season
Album:

New Season

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Singer/Songwriter, Cosmic American Music, Laurel Canyon

Label: Ghostly International
Spieldauer: 45:05
Erschienen: 30.10.2026
Website: [Link]

Es ist letztlich kein Wunder, dass der kalifornische Songwriter/Produzent BEN SCHWAB dem zweiten Album seines Bandprojektes SYLVIE den Namen „New Season“ gab, denn mit diesem Projekt schlug er ein neues Kapitel in seiner Laufbahn als Musiker auf. Das erste selbstbetitelte SYLVIE-Album von 2021 entstand eher zufällig: Schwab entdeckte alte Kassetten-Aufnahmen seines Vaters JOHN SCHWAB, die dieser in den 70er Jahren mit seiner Band MAD ANTHONY zwar eingespielt, aber nicht veröffentlicht hatte. Nicht die Songs selbst, sondern der Stil und der Geist, in dem sie aufgenommen worden waren, bildeten schließlich die Basis für das erste SYLVIE-Album, dessen Titeltrack (ein Song den IAN MATTHEWS geschrieben hatte) dann auch den Namen für das Projekt zeitigte.


Schon damals zeigte sich SCHWAB angetan von der Idee, SYLVIE nicht als konventionelles Bandprojekt zu betreiben, da er sich nicht als Bandleader, sondern eher als Regisseur und Casting Agent betrachtete, der die Rollen für seine Songs mit jeweils geeigneten, größtenteils weiblichen Musikern besetzt. Dieses Prinzip behielt er für das zweite SYLVIE-Album bei. Waren es beim ersten Album aber noch Musiker direkt aus der Laurel-Canyon-Gemeinschaft, der BEN SCHWAB angehört (beispielsweise MARINA ALLEN, SAM BURTON und sein Vater JOHN), so konnte er für die „Neue Saison“ aus den Vollen schöpfen und nicht nur den Newcomer ALEX AMEN (der der Szene aber schon länger verbunden ist) und KACY LEE ANDERSON sondern auch renommierte Kolleginnen wie COURTNEY MARIE ANDREWS und SIERRA FERELL für Gastauftritte gewinnen. Mit 'Gastauftritt' ist nicht etwa gemeint, dass die Gäste im Hintergrund klatschen oder mitsummen, sondern dass sie die ersten Stimmen übernehmen und die Songs wesentlich mitgestalten.


Musikalisch zeigt BEN SCHWAB erneut, dass er ein hoffnungsloser aus der Zeit gefallener Romantiker ist und die Laurel-Canyon- und Cosmic-American-Musik der 70er-Jahre dermaßen verinnerlicht hat, dass es ihm vermutlich nie in den Sinn käme, jemals etwas anderes zu machen. Natürlich hält ein solcher Künstler dann nichts von Zeitgeist und modernen Zeiten. Die Songs schrieb und produzierte Schwab völlig Oldschool-mäßig in Los Angeles, begab sich dann allerdings in die Abbey Road Studios, um dem Material den letzte Schliff zu verleihen und es dort gleich zu mastern, womit er den legendären Abbey Road Sound einfangen zu konnte.


Wie sehr das abfärbte, hört man an „You And Me“, das offensichtlich von PAUL McCARTNEYs „Blackbird“ inspiriert worden ist. Allerdings bleibt dies nur eine Vermutung, denn abgesehen von dem Abbey-Road-Sound-Design ist das Album eine klassisch amerikanische Angelegenheit geworden. Insbesondere die von den Musikerinnen gesungenen Tracks erinnern, die Arrangements betreffend, oft an US-Größen wie CAROLE KING oder CARLY SIMON. Gleichwohl unbedingt betont werden muss, dass die musikalische Identität der Interpretinnen nicht untergeht. Insbesondere COURTNEY MARIE ANDREWS in dem Song „Guiding Star“ und SIERRA FERRELL in dem Song „California Hills“ prägen diese Stücke durch ihre unverkennbaren gesanglichen Eigenarten.


Weiterhin gibt es auch andere Westcoast-, Country-, oder Memphis-Soul-Sounds auf dem Album zu entdecken, aber nicht so viele, dass „New Season“ dadurch einen typischen Nashville-Sound erhielte, wie es in der Bio heißt. Eine ganze Riege hochkarätiger Musiker trägt dafür Sorge, dass das Album absolut authentisch klingt, nur eben deutlich besser, als es zu den Hochzeiten dieser Art von Musik Ende der 60er- und Anfang der 70er-Jahre üblich gewesen wäre.

Als besonderer Bonus darf noch vermeldet werden, dass einige der Songs regelrecht opulent arrangiert wurden. Das von KACEY LEE ANDERSON gesungene „Not Looking Back Anymore“ etwa überrascht mit satten Bläsersätzen und einer klassischen, paraphrasierenden Jazz-Gitarre, das von ALEX AMEN gesungene „Rina“ bietet Streichersounds und COURTNEY MARIE ANDREWS kann in „Guiding Star“ auf ein ganzes Gospel-Setting inklusive Chören, Bläsern und 'weinenden' Steel-Gitarren zurückgreifen. Ähnliches gilt bei SIERRA FERELL und dem Song „California Hills“, der noch mehr Streicher und Chöre auffährt und dabei mit einem Southern-Swing-Flair aufwartet, obwohl er von Kalifornien handelt.


FAZIT: Wer sich an den klassisch-musikalischen sowie den analog-produktionstechnischen und den songwriterischen Tugenden der Altvorderen erfreuen kann und ein Herz für die klassischen Cosmic American Sounds der 70er hat, der wird mit „New Season“ von SYLVIE garantiert nichts falsch machen.

Ullrich Maurer (Info) (Review 57x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
[Schliessen]
Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
Kommentar schreiben
Tracklist:
  • Are You Coming
  • Not Looking Back Anymore
  • Rina
  • New Season
  • You And Me
  • Wish I Could Tell You
  • Traveling
  • Guiding Star
  • California Hills
  • Ending

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
Benachrichtige mich per Mail bei weiteren Kommentaren zu diesem Album.
Deine Mailadresse
(optional)

Hinweis: Diese Adresse wird nur für Benachrichtigungen bei neuen Kommentaren zu diesem Album benutzt. Sie wird nicht an Dritte weitergegeben und nicht veröffentlicht. Dieser Service ist jederzeit abbestellbar.

Captcha-Frage Welches Tier bellt?

Grob persönlich beleidigende Kommentare werden gelöscht!