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Simone Cozzetto: Glass Cradle (Review)
| Artist: | Simone Cozzetto |
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| Album: | Glass Cradle |
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| Medium: | CD/Download | |
| Stil: | Progressive Rock |
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| Label: | Eigenpressung/Just For Kicks | |
| Spieldauer: | 51:00 | |
| Erschienen: | 11.09.2026 | |
| Website: | [Link] |
Ein neuer Name am progressiven Rock-Himmel – aber ist er auch ein echter Stern, der dort mit dem 1991 geborenen, italienischen Multiinstrumentalisten SIMONE COZZETTO aufgeht?
Nun gut. Ein wenig leuchtet er durchaus – und ganz so neu ist der Name auch nicht. Aber die glanzvoll glühende Erleuchtung ist Cozzetto mit „Glass Cradle“ (seinem bereits 5. Album) noch (immer) nicht gelungen. Obwohl das Album konzeptionell, kompositorisch und von der musikalischen Umsetzung her durchaus eine ganze Menge Anerkennung verdient.
Im dreiflügeligen, hübsch (und typisch progressiv) gestalteten „Glass Cradle“-Digipak befindet sich ein 16-seitiges Booklet mit allen Texten, die bei dieser Geschichte um einen Menschen, der im gläsernen Käfig seiner eigenen Gedanken gefangen ist, eine wichtige Rolle einnehmen. Angst, Wut, Ungewissheit und das Gefangensein im eigenen Inneren, welches strikt isoliert nicht nach außen treten kann oder will, wird in den jeweiligen Stimmungen spannend umgesetzt, wobei manchmal die eine oder andere musikalische Idee zu sehr überladen wirkt.
Oft hört man (bereits im instrumentalen Album-Opener) bei Cozzetto sein offensichtliches Vorbild DAVID GILMOUR oder gleich ganze floydianische Phasen („Embers“, „Framed“) heraus, die mit viel Pathos aufgeladen werden, was ein wenig übertrieben scheint.
Besonders auffällig in dieser Beziehung „No Way“, ein verzweifelt ausweglos und wütend klingendes Duett mit Germana Noage – Richtung Rock-Oper im MEAT LOAF-Flair voller Bombast und Pathos, das nicht so richtig in das Musik-Konzept des offensichtlich autistischen und psychisch instabilen Zeitgenossen hinter „Glass Cradle“ passen will.
In den Mittelpunkt des cineastisch gestalteten Albums rückt neben dem traurig-zerbrechlichen 10 Minuten andauernden „Isolation“ eindeutig der 19-Minüter „The Sphinx“, ein wirklich komplex eingespielter Longtrack, in dem sogar tullsche Flötentöne das bizarre Spiel bereichern. In Musik und Text geht es um das eingebildete, bedrohliche Wesen des Phoenix (aus der Asche), welcher die Psyche des unglücklichen, in sich gefangenen Protagonisten versinnbildlicht.
Dann wiederum gibt es die Momente der instrumentalen Ruhe, wenn sich „Embers“ langsam und immer breiter entfaltet, obwohl die Unruhe bereits im Hintergrund wieder brodelt. Das hat etwas Filmisches und Dramatisches, bei dem die beiden Instrumentals „Praetextum“ und „Embers“ als eine Einleitung und einen Übergang die Handlung untermalen und neue Richtungen vorgeben. Nach dem abschließenden „Framed“ fragt man sich allerdings, warum nicht auch ein letztes Instrumental den Hörer aus dieser tragischen Handlung und dem musikalischen Konzept entlässt.
Ja, hier fehlt leider auf „Glass Cradle“ ein überzeugender Schluss – ein bewegender Epilog.
So bleibt es beim letzten Stück „Framed“, einer epischen Prog-Ballade, deren ganze Melodramatik mit einem überdeutlichen PINK FLOYD-Gitarrenausflug durchklingt, um die bedrückende Handlung abschließend auf die Spitze zu treiben: „I'm knives of glass and ash / That reflect my pale fears / Only sand flows in the veins / Damaging my brain... I'm framed“ („Ich bin das Messer aus Glas und Asche, / Das meine bleichen Ängste widerspiegelt / Nur Sand fließt noch in meinen Adern / und zerstört mein Gehirn ... Ich sitze in der Falle.“).
FAZIT: Der italienische Multiinstrumentalist SIMONE COZZETTO begibt sich mit wenigen musikalischen (größtenteils singenden) Gästen in „Glass Cradle“ auf die bedrückende Reise durch das eigene Ich eines verzweifelten, völlig in sich zurückgezogenen Menschen, die er mit viel Pathos und so einigen floydianischen Musik-Eckpfeilern, welche mitunter von Bombast und Pathos verschluckt werden, vertont. Viel Atmosphäre zwar, aber nicht immer überzeugend oder wirklich einfallsreich und eigenständig. Obwohl das bei dem gewählten Konzept durchaus verständlich erscheint.
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- Praetextum
- Glass Cradle
- Isolation
- No Way
- The Sphinx
- Embers
- Framed
- Bass - Simone Cozzetto, Matteo Palladini
- Gesang - Simone Cozzetto, Roberto Tiranti, Francesco Marino, Germana Noage, Michael Trew
- Gitarre - Simone Cozzetto, Matteo Palladini
- Keys - Simone Cozzetto, Massimo Pieretti, Francesco Proietti
- Schlagzeug - Ivo Di Traglia
- Sonstige - Alex Mevi (Flöte)
- Glass Cradle (2026) - 10/15 Punkten
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