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Kids With Buns: Bell Jar (Review)
| Artist: | Kids With Buns |
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| Album: | Bell Jar |
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| Medium: | CD/LP/Download | |
| Stil: | Singer/Songwriter, Indie-Pop |
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| Label: | V2 Records | |
| Spieldauer: | 45:00 | |
| Erschienen: | 16.10.2026 | |
| Website: | [Link] |
Es bestätigt sich immer wieder, dass die besten Alben aus einem Mix von glücklichen Zufällen, Synchronizität, Detailarbeit, Spontaneität und offenherziger Authentizität entstehen. Den flämischen Musikerinnen MARIE VAN UYTVANCK und AMBER PIDDINGTON – besser bekannt unter ihrem Künstlernamen KIDS WITH BUNS - ist mit ihrem zweiten Album „Bell Jar" genau das gelungen. Als die jungen Belgierinnen 2023 mit ihrem Debüt-Album „Out Of Place“ auf die Bühnen der Welt stürmten, machten sie sich schnell einen Namen als mitreißender Live Act, der nicht nur bei Fans und Kritikern gut ankam, sondern auch in Musikerkreisen geschätzt wurde. Und diese Energie kanalisieren sie nun auch auf dem zweiten Album.
Bereits bevor das erste Album erschien, erregten sie bei einem Konzertbesuch ihres Idols LUCY DACUS die Aufmerksamkeit von JACOB BLIZARD (der in Dacus' Band Gitarre spielte und gerade deren Album produziert hatte), weil sie alle Texte mitsangen. Blizzard regte damals bereits an, gemeinsam etwas machen zu wollen – was aus logistischen Gründen zu jener Zeit noch nicht möglich war.
Als aber das zweite Album in Angriff genommen wurde, kamen verschiedene Dinge zusammen: beide Musikerinnen hatten – unabhängig voneinander – langjährige Beziehungen beendet und verfügten nun über eine Menge Material, über das sie schreiben konnten. Sie bezeichnen diese Phase als zwar stressig, aber auch sehr produktiv. Denn als Songwriterinnen interessiert sie speziell, gerade ihre negativen Erfahrungen zu verarbeiten, sodass sie im 'richtigen Leben' vergleichweise unbeschwert agieren können. Das verleiht ihrer Musik eine melancholische Qualität, welche auch das zweite Album dominiert (das nach eigener Aussage demzufolge auch keinen echten Liebeslied enthält).
Als sie die neuen Songs – die sich tatsächlich auf die betreffenden Trennungsgeschichten beziehen – zu sortieren und zu einem Album zusammenzufassen begannen, fiel Piddington das Buch "Bell Jar" ins Auge, der einzigen Roman der Dichterin und Schriftstellerin SYLVIA PLATH, die durch den Freitod aus dem Leben schied. Der Roman selbst enthält die Zeile "I saw uns in a Bell Jar once or twice where we could avoid a 1000 lives". Eine schöne Metapher für eine Beziehung unter einer Glasglocke. Damit war der Titel des Albums gefunden.
Das eigentliche Thema ist aber nicht die Depression als solche, denn das Buch "Bell Jar" endet nicht mit einer negativen Note, wie die Musikerin erklärt. Das, was die KIDS WITH BUNS mit ihrer neuen Songsammlung ausdrücken wollen, ist dass alle Gemütszustände – also sowohl das Glück wie auch die Misere – nur temporär sind. Nach einem durchlebten Tief folgt wohl unweigerlich auch wieder ein Hoch – was leider auch umgekehrt gilt.
Die Damen hatten also ein solides künstlerisches Konzept für das neue Album in der Tasche und konnten nun auf das noch immer bestehende Angebot von JACOB BLIZARD zurückgreifen. Dieser lud sie schließlich nach Philadelphia in sein Studio ein, wo sie die neuen Songs einspielten (nachdem sie festgestellt hatten, dass das legendäre amerikanische Philly Cheesesteak nicht für europäische Mägen konzipiert ist).
Musikalisch äußerte sich das durch einen frischen, lebendigen Sound, der zum einen dadurch bereichert wurde, dass die KIDS WITH BUNS auf die Erfahrungen ihrer mitreißenden Live-Shows zurückgreifen konnten, zum anderen dass sich beide selbst als Produzentinnen einbrachten. So sorgte Piddington in Tracks wie "Blind" für ziemlich abrasive Gitarrensounds, während van Uytvanck die Idee entwickelte, nicht nur einzelne Instrumente, sondern ganze Songs (wie etwa den Titeltrack) mit einem Tremolo zu unterlegen.
Mit dem Song "Car Crash" betreten KIDS WITH BUNS schließlich stilistisches Neuland und experimentieren mit Funky-Grooves. Ob das mit dem Text in Verbindung steht (der davon handelt, dass eine Beziehung wie ein Autounfall enden kann), darf spekuliert werden - jedenfalls ist dieser Song der dynamischste des gesamten Albums.
Klassische Balladen gibt es zwar aufgrund der komplexen emotionalen Gemengelage keine – aber einige Stücke wie "Dizzy" oder "The Finite" driften zuumindest in folkige bzw. Dreampop/Shoegaze-Gefilde ab. Zwei kurze Instrumentals jeweils zu Beginn der LP-Seiten runden das musikalische Angebot ab.
Gesanglich haben sich die beiden Musikerinnen auf diesem Album intensiver angenähert, was besonders ihre unterschiedlichen Timbres betrifft, während ihre Sprechstimmen nicht weit auseinanderliegen, ist die Diskrepanz zwischender Altstimme von MARIE VAN UYTVANCK und AMBER PIDDINGTONs Sopran nicht mehr so groß wie zuvor. sodass selbst in dieser Hinsicht sind KIDS WITH BUNS noch enger zusammengerückt sind.
FAZIT: Richtige Pop-Songs haben KIDS WITH BUNS auf ihrem zweiten Album nicht wirklich angestrebt. Aufgrund der energiegeladenen Darbietung, catchy Hooks und pulsierenden Rhythmen auf der einen Seite und der wirklich sorgfältig ausgearbeiteten, introspektiven Lyrics mit der subtil-tröstlichen Botschaft auf der anderen ergibt sich nicht nur ein interessanter Kontrast, sondern ein musikalisch ansprechendes Album, dass motiviert und gut unterhält.
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- Prelude
- All My Bets
- Blind
- Half Of A Dream
- Bell Jar
- I’d Be Honest
- Best Friend
- Nothing Like Indigo
- Reprise (Half Of A Dream)
- Devil On My Shoulder
- Dizzy
- Car Crash
- The Finite
- Bass - Stijn Konings
- Gesang - Marie Van Uytvanck, Amber Piddington
- Gitarre - Amber Piddington, Marie Van Uytvanck
- Keys - Stijn Konings, Mathias Stal, Jacob Blizard
- Schlagzeug - Dajo Vlaeminckx
- Out Of Place (2023) - 13/15 Punkten
- Bell Jar (2026) - 13/15 Punkten
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