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IT: The Stranger Inside The Self – Master Version 2026 & Originalversion 1994 (Review)

Artist:

IT

IT: The Stranger Inside The Self – Master Version 2026 & Originalversion 1994
Album:

The Stranger Inside The Self – Master Version 2026 & Originalversion 1994

Medium: Download/Do-CD
Stil:

Progressive Rock

Label: Progressive Gears/Eigenvertrieb
Spieldauer: 96:02
Erschienen: 16.10.2026
Website: [Link]

Als vor 32 Jahren „The Stranger Inside The Self“ der Londoner Prog- und Art-Rock-Band IT zum ersten Mal das Licht der progressiven Szene entdeckte, welcher Melodien und Harmonien mehr bedeuteten als komplexe und experimentelle Versuchslabore zu bedienen, da hätte eigentlich ein Aufschrei durch die noch immer sehr überschauliche Szene, die mehr Nische als Massenkultur war, gehen müssen. Denn dieses Album lebt nicht nur von tiefen Gefühlen und höchster Professionalität sondern auch von einem richtig guten Sound und kreativen, anspruchsvollen Texten.

Wer's nicht glauben will oder sollte, der darf sich ab sofort auf „The Stranger Inside The Self – Master Version 2026 & Originalversion 1994“ von dieser die Vergangenheit wie die Gegenwart betreffenden Aussage überzeugen.


Auf dieser Doppel-CD in einem dicken dreiflügeligen Digipak ist nämlich die zweite CD zugleich die Ursprungsversion des Original-Albums, welche einen der großartigen, 32 Jahre zurückliegenden, Qualität wegen etwas sprachlos hinterlässt. Sprachlos eben, weil „The Stranger Inside The Self“ damals wohl nicht die Wirkung hinterließ, die es eigentlich hätte hinterlassen müssen und ihr so die Anerkennung vorenthalten blieb, die „The Stranger Inside The Self“ in diesem Falle tatsächlich verdient hätte.

„The Stranger Inside The Self“ klingt nicht etwa wie aus einem (neo-)progressiven Setzbaukasten zusammengebastelt, dessen Teile permanente Erinnerungen an altbekannte Helden von MARILLION bis IQ hervorrufen, sondern nach eigenen Wegen, einem neuen Bild so gesehen, abseits (aber doch mit erkennbaren Anspielungen) besagter Bands. Gerade darum hätten IT eine gelungene Alternative zu den Endachtziger-Neo-Proggern sein sollen oder müssen. Im Grunde legten IT dieses Neo-Klischee auf ihrem Album ab und ersetzten dieses durch vielfältige Genre-Wechsel, den der progressive Geist genauso innewohnte wie indie-alternative Pop-Ideen mit psychedelischer Grundierung sowie zeitkritischen Texten, die eben nicht durch spinnerte, mythische Themen auffielen.


Ursprünglich waren die Londoner IT als psychedelische, auf viel Multimedia setzende Band durchgestartet, die sich aber immer stärker dem Progressive Rock öffneten und dabei auch thematisch tabulos über Politik, Religion, Krieg, Sexualität, Entfremdung texteten und sangen, wobei der beeindruckende Sänger Nick Jackson mit seiner variablen Stimme dazu beiträgt, dass man ihm und den umstrittenen Textinhalten genauer zuhört.

Danach durchschritt IT eine sehr wechselhafte Karriere: Anfang Januar 1995 folgte das Album „Two Worlds“, sieben Jahre später „Over & Out“, ein Konzeptalbum mit einer durchgehenden Geschichte, die live von IT in voller Länge aufgeführt und von Nick Jacksons visuellen Projektionen begleitet wurde. 2004 erweiterte sich die Bandbesetzung deutlich, wobei insbesondere durch den Einstieg von Andy Rowberry an der Leadgitarre ITs Musik ganz neue Aspekte zum Tragen kamen, auch weil er maßgeblich zum Songwriting beitrug, in dessen Ergebnis im Juli 2009 das vierte Album „Departure“ erschien und von der Kritik hochgelobt wurde. Nach langer Pause hörte man erst 2017 erneut von IT, als sie in dem bedrückenden Konzept-Album „We're all In This Together“ die Benachteiligung der jüngeren Generation zum zentralen Thema erhoben, die sich dann – so als hätten IT in eine Glaskugel geschaut – drei Jahre später während der Corona-Pandemie in erschreckender Weise noch stärker intensivierte.


Statt nunmehr das IT-Rad neu zu erfinden, begab sich die Londoner Band tief zurück in die Vergangenheit und nahm sich ihres 1994er-Album „The Stranger Inside The Self“ erneut an, das anfangs nur auf in Eigenregie hergestellten Kassetten erhältlich war, um zu zeigen, wie viel Energie und Können sowie Akribie in diesem Debüt bereits vor 32 Jahren steckte. IT spielten es also als 2026er-Master-Version völlig neu ein, verpassten ihm eine deutlich härtere Ausrichtung, aber beispielsweise auch einer unfassbar hymnischen Version von „When We All Fall Down“, womit sie ihr über 30 Jahre altes Album-Urgestein in die (konzeptionell schon damals dem Untergang geweihte) Gegenwart überführte.

„The Stranger Inside The Self – Master Version 2026 & Originalversion 1994“ wird so zum gewagten Vergangenheit-Gegenwart-Versuch, der allerdings im IT-Falle funktioniert, was nicht nur an der musikalischen Frischzellen-Kur liegt, sondern auch daran, dass die Texte (leider) nichts an ihrer Aktualität verloren haben. Eine Aktualität, in der man sich selber fremd zu werden und alle Hoffnung zu verlieren scheint: „Growing old, the stranger inside the self / Where's hope? For the stranger inside the self“, und in der man seinen letzten Glauben verliert: „I gave my soul to a devil who was dressed in white“ („I Won't Pray On Sunday“).
Längst wissen wir doch, dass die Lüge und die Lügner unsere Politik dominieren und die Teufel zwar nicht nur Weiß tragen, dafür aber auf teuflische Weise mit allen Mitteln ihre Macht erhalten oder unerträgliche Zustände schaffen wollen, indem sie gewählte Mehrheiten und staatliche Grundsätze nicht anerkennen, weil sie ihre Götter über alles und jeden zu stellen versuchen. Ihre Seelen gehen fremd – und schaffen so seelenlose Zustände, die IT schon vor 32 Jahren besangen – ohne Erfolg, was die Aktualität von „The Stranger Inside The Self“ beweist.


Nachlesen kann man alle, in diesem Falle tatsächlich noch immer sehr aktuellen, Texte in dem sehr schön gestalteten 20-seitigen Booklet, in dessen Mitte zusätzlich ein aktuelles Foto von IT (das einzige im Rahmen dieser Neuveröffentlichung) zu finden ist. Zusätzlich gibt' noch vier 'frühe(re)' Foto-Impressionen passend neben dem Text von „To Have And To Hold“, nachdem gerade „Do You Remember“ mit spannenden weiblichen Chören und einer bluesigen Mundharmonika verklungen ist.

IT wecken mit ihrer abwechslungsreichen Musik natürlich auch einige Erinnerungen, die beispielsweise in Richtung der „Amused To Death“-Zeiten – mit einer ganz ähnlichen Konzept-Geschichte – eines ROGER WATERS oder MARILLIONs „Brave“ tendieren. Aber auch den floydianischen Charme der deutschen Prog-Lokalpatrioten von ELOY versprühen IT, obwohl deren mythischen Themen keinerlei Parallelen finden.

In diesem Falle und mit solchen Bands in seinem Plattenschrank konnte man bereits vor 32 Jahren und kann man auch heute bei ITs „The Stranger Inside The Self – Master Version 2026 & Originalversion 1994“ absolut nichts falsch machen!


FAZIT: IT gelingt mit „The Stranger Inside The Self – Master Version 2026 & Originalversion 1994“ ein 32-jähriger Brückenschlag von der IT-Vergangenheit der ersten Jahre bis mitten hinein in die Gegenwart dieser Londoner Prog-Band, die anhand eines Albums und der sehr ansprechend gestalteten Doppel-CD beweisen, wie zeitlos und unvergänglich richtig gute, progressiv und zugleich konzeptionell zeitkritisch ausgestattete Musik klingen kann. Egal, ob man die zweite CD der damaligen Prog-Jungspunde mit den ursprünglichen, damals nur auf Kassette veröffentlichten Aufnahmen oder die aktuelle (neu eingespielte) Master-Version, von der nunmehr gestandenen, alterserfahrenen Band hört – beide Alben haben nichts von ihrer kompositorischen und zeitkritisch-konzeptionellen Faszination verloren. IT als eigene Zeitreisende, die anhand eines Albums beweisen, wie sehr sich Vergangenheit und Gegenwart ähneln können und wie unvergänglich guter Progressive Rock klingen kann.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 48x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • CD 1 = Master-Version 2026 = (49:15):
  • The Stranger Inside The Self
  • I Won't Pray On Sunday
  • More (Sanitary Insanity)
  • Waiting For The World
  • Until The Children Come Home
  • Something To Say
  • Do You Remember?
  • To Have And To Hold
  • When We All Fall Down
  • Round And Round
  • CD 2 = Originalversion 1994 = (46:47):
  • The Stranger Inside The Self
  • I Won't Pray On Sunday
  • More (Sanitary Insanity)
  • Waiting For The World
  • Until The Children Come Home
  • Something To Say
  • Do You Remember?
  • To Have And To Hold
  • When We All Fall Down
  • Round And Round

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