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Interview mit DEPRESSION (09.01.2026)

DEPRESSION

Jubel, Trubel, Heiterkeit war unlängst bei den Groovy-Death-Grind-Veteranen aus dem Sauerland angesagt: Zunächst erschien Mitte November 2025 endlich die Split-Single "Blood Fire Deathgrind" mit den Finnen Cadaveric Incubator, zwei Wochen später wurde das neue, mit Goodies gespickte Album "Das Monument" veröffentlicht, und schließlich ließen es die Lüdenscheider im AJZ Bahndamm Wermelskirchen auf einer Geburtstagsparty ordentlich krachen – und zwar im Vorprogramm von (Martin Schirenc plays) Pungent Stench! Wenige Tage nach diesem denkwürdigen Abend im Bergischen Land standen mir mein Freund Marc (Bass, Growls und herzallerliebste Ansagen) und Kai (alle Instrumente & schrille Shouts) über 30 Jahre nach meinem ersten DEPRESSION-Interview mal wieder Rede und Antwort…

Hallo und danke, dass Ihr Euch die Zeit nehmt, um uns das Neueste aus dem DEPRESSION-Camp zu berichten! Wer von Euch hat schon mal Maden… ähem, pardon, mit Pungent Stench die Bühne geteilt? Und wenn ja, wie viele Tränchen habt Ihr insgeheim verdrückt – oder am Ende doch eher Blut, Eiter und Gehirnsaft…?

Kai: Wir haben tatsächlich schon das zweite Mal mit Pungent Stench gespielt. Das erste Mal in Tschechien auf dem Nice to eat you Festival. Das war schon cool, da wir in der gleichen Absteige waren wie Pungent. Abends haben wir da noch die Bar leergeräumt und hatten eine lustige Zeit mit den Jungs. Alle sehr nett! Wenn mir damals, als ich die "Extreme Deformity" EP hatte, jemand gesagt hätte, dass ich 30 Jahre später mit den Jungs die Bühne und den Schnaps teile… oh Mann!
Marc: Ja, die "Extreme Deformity" 7‘ EP war damals ein großer Einfluss auf mich und sogar um 1990 meine allererste 7‘ EP, die ich mir aus dem schwarz-weiß-kopierten Nuclear-Blast-Katalog besorgt hatte, aber das musst Du ja auch noch gut wissen als mein ehemaliger Schulkamerad. Einfach genial, wenn die heutzutage noch ihre alten Smasher raus hämmern und auch megacool, dass der ursprüngliche Bassist Jacek wieder dabei ist!

Das AJZ Bahndamm Wermelskirchen kann man wohl mit Fug und Recht als Euer zweites Wohnzimmer bezeichnen, doch ist seine Bedeutung für DEPRESSION in Worte zu fassen? Marc, Du warst ja auf der Bühne nahezu angefasst…?

Kai: Also die meisten Gigs in einer Location waren definitiv im Bahndamm. Unser allererstes Konzert überhaupt war 2004 auf dem NRW Deathfest dort, und unser vermeintlich letztes 2006 mit Coffins aus Japan ebenfalls. Tja, wurden dann doch ein paar mehr, haha!
Marc: Ja stimmt, wir haben nun tatsächlich bereits sieben Mal im Bahndamm gespielt, das ist schon krass. Vielleicht halten wir nun den Rekord, ich muss mal den Thorsten aka Kastanie aka Mr. Pungent fragen. Mein allererstes Konzert dort war Cryptopsy, Haemorrhage, Profanity und Spawn in 2002, da platzte der Bahndamm aus allen Nähten. Da wird man auf der Bühne schon etwas sentimental beim dritten Bier. Nun gibt es eigentlich nur noch das Hymns of eternal Decay Fest, das ich ja mit organisiere.

Im Vergleich mit früheren Gigs hatte in den Eindruck, dass Kai seine schrillen Shouts nicht mehr so oft vom Stapel lässt, sein Schlagzeugspiel jedoch etwas variabler gestaltet, wobei der massive-depressive-aggressive Groove eine vergleichsweise abwechslungsreiche Setlist dominiert…?

Kai: Interessant, das hat der ein oder andere nach dem Gig gesagt. Hm, liegt vielleicht an der Songauswahl. Eine bewusste Entscheidung war das nicht. Da ich mit meiner anderen Band Green Machine regelmäßig probe, ist mein Drumming insgesamt etwas variabler geworden, das fließt unwillkürlich mit ein. Und ja, wir spielen live lieber ein paar mehr tanzbare Stücke, als nur Knüppel aus dem Sack. Das würde ich auch gar nicht überleben, haha!
Marc: Das mit Kais schrillen Shouts kommt wahrscheinlich auch daher, da Ron als Hauptsänger neben seinen "guttural grunts" mittlerweile auch verdammt geile "shrieks" hinbekommt und dadurch Kais "screams" automatisch etwas weniger geworden sind.

Mit "Blood Fire Deathgrind" habt Ihr unlängst eine Split-Single mit Cadaveric Incubator aus Finnland vorgelegt, die zunächst mal wegen des grandiosen Cover Artworks von Toni Hietomaa, einer Neu-Interpretation von Peter Nicolai Arbos Gemälde "Åsgårdsreien", ins Auge sticht. Zudem findet sich mit "Rite Of Darkness" auch noch ein Bathory-Cover auf dem kultigen Vinyl, dass den Credits zufolge anscheinend rund vier Jahre auf seine Veröffentlichung harren musste. Was könnt Ihr zu diesem aus Eurer Diskographie herausragenden Tonträger erzählen?

Kai: Tatsächlich hat dieses Baby echt laaaange auf seine Veröffentlichung warten müssen. Ich war damals mit Antti von CI in Kontakt und schnell kam die Idee auf, eine Split zu machen. Er hatte dann den Vorschlag gemacht, ein Bathory-Tribute anzugehen, da ich ebenso großer Bathory-Fan bin wie er. Als er dann mit dem Titel "Blood Fire Deathgrind" und der Cover-Idee um die Ecke kam, waren wir hellauf begeistert! Aber dann hat es ewig gedauert, bis die Jungs von CI alles im Studio fertig hatten und dann ging die Suche nach einem Label los. Aber irgendwann war es dann so weit, und wir sind alle mit dem Resultat überglücklich!

Nahezu zeitgleich ist mit "Das Monument" Euer sechstes Langspielalbum erschienen, das als Doppel-CD mit so viel zusätzlichem Material ausgestattet ist, dass es wahrlich als monumental bezeichnet werden kann. Mit wie vielen Erinnerungen ging die Zusammenstellung vor allem der 2. CD einher, und war dieser Rückblick zusätzlicher Ansporn für die jüngsten Aufnahmen?

Kai: Ja, das war so natürlich nicht geplant, dass die beiden Releases so nah beieinander veröffentlicht werden. Aber man kann es eben nicht immer so gut steuern. Die Aufnahmen zu "Das Monument" sind ja auch schon etwas älter. Wir dachten, so als Jubiläum wäre doch ein Mehrwert für die Fans eine feine Sache, so kam die Idee auf, von "Eine Rückbesinnung" den zweiten Teil mit dazu zu packen. Dass die Compilation dann so pickepacke-voll wird, hätte ich vorher gar nicht gedacht! Naja, soooo viel Nostalgie kam, zumindest bei mir, gar nicht auf, ehrlich gesagt. Natürlich hat man sich die alten Sachen nochmal angehört und auch die ein oder andere Studio-Anekdote zu den jeweiligen Aufnahmen im Kopf gehabt. War schon alles ne wilde Zeit! Aber es hat mich nicht beeinflusst beim Komponieren. Denn wie gesagt, sowohl die EP als auch die CD-Aufnahmen lagen davor.

"To Those Who Love The Void" wurde von Eurem Live-Gitarristen Apollyon komponiert, doch wenn ich die Credits richtig deute, war er an den Aufnahmen für "Das Monument" nicht beteiligt?

Kai: Das stimmt. Es ist, wie so vieles bei DEPRESSION eine kleine Tradition, dass Marc, Apollyon und Skaldir auch je einen Song beisteuern zu den Jubiläums-Alben. Marc ist mit "Come Vermin, Come Slaughter" vertreten, Apollyon hast Du ja schon erwähnt, und Skaldir hat "Bloodsuckers" angeschleppt. Die Jungs schicken mir ihre Ideen per WhatsApp-Video, und ich setze diese dann im Studio um.
Marc: Skaldir hat ein wirklich großartiges Gitarren-Solo in seiner Hymne "Bloodsuckers" beigesteuert!

Markus "Skaldir" Skroch holt als Produzent und Musiker seit vielen Jahren allerhand aus den eben nicht nur stumpf auftrumpfen DEPRESSION-Aufnahmen heraus, und hin und wieder zitiert mit Nico Steckelberg ein weiterer Sauerländer Eure unverkennbaren Titel. Wie wichtig ist es für Euch, an diesen Traditionen festzuhalten und in welcher Hinsicht erlebt Ihr Euch vielleicht sogar als typisch sauerländisch?

Kai: Markus verfeinerte seit 2008 alle unsere Outputs, also satte 17 Jahre. Ja, da kann man von Tradition sprechen. Aber ihr habt richtig gelesen, verfeinerte, nicht verfeinert. "Das Monument" war die letzte Scheibe, die er mit uns gemacht hat. Fortan möchte er sich ausschließlich auf Mix und Mastern konzentrieren. Ein langer gemeinsamer Weg geht zu Ende! Nico spricht immer auf unseren Jubiläums-Alben das Titelstück, sehr, sehr cool! Mir ist es sehr wichtig, solche und andere Traditionen, die sich bei DEPRESSION über die Jahrzehnte entwickelt haben, zu pflegen. Ich mag das! Ich glaube, ich bin nicht sooo typisch sauerländisch, oder?! Marc und Ron sind für mich hingegen waschechte Sauerländer.
Marc: Ich finde es gut, wenn sich ein gewisser roter Faden durch die Alben zieht wie z.B. auch die Depressionen-Trilogie, so was hat doch einen hohen Wiedererkennungswert für die Fans. Und klar als "sturer Sauerländer" muss man doch gewisse Traditionen aufrecht erhalten. Nico Steckelberg macht einen wirklich genialen Job mit einer ausdrucksstarken Stimme!

Ihr macht auf mich den Eindruck, dass es gerade für Euch unangestrengt gut läuft, nachdem die Band in 36 Jahren einige Durststrecken hinter sich gebracht hat. Wenn Ihr die bisherige Geschichte von DEPRESSION zwischen zwei Buchdeckeln rekapitulieren solltet – was wäre dann ein treffender Titel und welcher Warnhinweis wäre auf dem Umschlag angebracht? Welche Anekdoten müssten unbedingt erzählt werden?

Kai: Ein passender Titel? Spontan würde ich sagen: "Chronische Depression oder manisch-depressiv?!?" Warnhinweise: take at your own risk / die wollen nur spielen / denn sie wissen nicht, was sie tun. Für Anekdoten sind die anderen beiden Spezies zuständig!
Marc: Eine der vielen Anekdoten wäre sicherlich, dass die deutsche Death-Metal-Ikone Marc Grewe (ex-Morgoth) bereits in den Neunzigern eine filigrane Zeichnung von Kai an den Drums gemalt hat mit dem Namen "Kai Sattelkakis", eine Anspielung auf Kais Nachnamen. Vielleicht kann dieses wahre Kunstwerk hier ja auch abgedruckt werden.

Wir haben uns in Wermelskirchen ja locker zum 40. Geburtstag von DEPRESSION verabredet, und nicht nur ich traue Euch das entgegen meiner törichten Skepsis in den frühen Neunzigern zu. Was wollt Ihr bis dahin noch in Angriff nehmen und wer sollte Euch mal einladen, um als nicht ganz alltägliche Band in einem Film zu spielen?

Kai: Ich glaube, mittlerweile sind wir selbst die größten Skeptiker, ob wir es bis zur 40 schaffen. Ich möchte keinesfalls aufhören, wenn ich nicht muss, aber uns ist, denke ich, allen bewusst, dass DEPRESSION schon endlich sein wird, und wir eher auf das Rentenalter zugehen, also nochmal die Weltbühnen zu stürmen. Wir werden sehen… Deine Skepsis in den frühen Neunzigern war nicht töricht, sondern viel realistischer als das, was dann eingetreten ist, haha! Große Pläne haben wir, denke ich, nicht – mal sehen, was so kommt. Also kein Ziel, das unbedingt erreicht werden muss. In einem Film? Für mich ganz klar: Tarantino.
Marc: Man kann es natürlich nie wissen, was so kommt. Die 40 ist ein ehrgeiziges Ziel, dann 2030 den krönenden Abschluss auf dem Party.San Festival feiern, hahaha! Film: Wir in Ace Ventura 4, damit Jim Carrey mal durch unseren tobenden Deathgrind-Mob rennen muss.

Die Zeiten ändern sich - Danke für Deine / Eure Zeit!

Kai: Ja, die Zeiten ändern sich… Danke an dich für deinen Support und an die Leser, die bis hier ausgehalten haben!
Marc: Thor, danke für die wirklich interessanten Fragen und die allerbesten Glückwünsche zu deinem Jubiläum mit dem Mørkeskye, das es ja nun auch bereits unglaubliche 30 Jahre gibt, dann bist du ja nur fünf Jahre hinter uns. Nicht, dass du uns noch überholst!

Bandfoto: Shoggoth

Thor Joakimsson (Info)
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