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Hua Li: Ripe Fruit Falls But Not In Your Mouth (Review)

Artist:

Hua Li

Hua Li: Ripe Fruit Falls But Not In Your Mouth
Album:

Ripe Fruit Falls But Not In Your Mouth

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Rhythm'n'Blues, HipHop, Temporary Jazz, Techno, Trip Hop, Rap und Electro-Pop

Label: Next Door Records/Bertus
Spieldauer: 32:52
Erschienen: 27.03.2024
Website: [Link]

„Hua Lis düsterer R&B und revolutionärer Rap geht ans Eingemachte und schüttelt deinen zarten Hintern Richtung Boden. Sie ist auch als DJ aktiv. Subversiv und sexy, HUA LI ist die einzige halb-chinesische, halb-militante, Halb-Rapperin deines Herzens.“ (Eigenbeschreibung von HUA LI unter ihrer Bandcamp)

Da liegt sie nun (auf dem LP-Cover): HUA LI
Schlafend? Vermeintlich tot? Ohnmächtig?
Aber trotzdem ein angedeutetes Lächeln auf dem Gesicht...
...Oder ist sie etwa die reife Frucht, gefallen, aber nicht in einen offenen Mund?
Das gibt uns jedenfalls der Titel des neuen HUA LI-Albums „Ripe Fruit Falls But Not In Your Mouth“ zu verstehen, während uns stampfende, wummernde Rhythmen einen Weg durch Rhythm'n'Blues, HipHop, Temporary Jazz, Techno, Trip Hop, Rap und Electro-Pop bahnen, um unzweifelhaft den Willen der Musikerin zu verwirklichen: „Ich wollte diese eher tanzbaren Signaturen in ein Werk integrieren, das größtenteils auf dem Klavier komponiert wurde und fragte mich dabei: Wie bringe ich ein privates Bekenntnis auf einer lauten Platte unter?“


Privates also. Gepresst auf zwei schwarze Rillen mit viel Sprechgesang, der einen unweigerlich von seiner ganzen Art her an eine ANNE CLARK erinnert und doch wieder seine ganz eigenen Bahnen zieht, die mal in Richtung MASSIVE ATTACK und sogar PORTISHEAD, aber auch ein wenig MADONNA tendieren.
Das wird vielen gefallen, die gerne mal ausgelassen in den Clubs zu fetten Tanzrhythmen schwungvoll die Beine samt ganzem Körper durchrütteln, ohne dabei auf die Etikette zu achten, denn die spielt auch bei solch einem gelungenen „Part Time Muses“-Dance-Song musikalisch wie textlich keinerlei Rolle.
Und ist es etwa Absicht, dass das Video zum Song unweigerlich Erinnerungen an MASSIVE ATTACKs Video zu „Unfinished Sympathy“ weckt?


Auf „Ripe Fruit Falls But Not In Your Mouth“ geht es um Bi-Sexualität, HUA LIs gemischte Herkunft, politisch streitbare An- und Einichten, Verletzliches und Verletzendes und den immerwährenden Kampf zwischen Gut und Böse. Alles im fetten Sound eingekleidet, der dem Hörer bassige Schwingungen entgegenschleudert und auf sehr unterschiedliche Stimmungen wie vokale Intonationen zwischen Sprechen und Gesang setzt.
Bestes Beispiel für dieses Auf und Ab ist das die LP-A-Seite beendende „Cherrier“. Es dreht sich darin um das Erwachsenwerden in den späten Nullerjahren im Montrealer Stadtteil Plateau-Mont Royal, wo die Sängerin herkommt bzw. sich oft aufhielt. Getragen von einer treibenden Synthesizer-Basslinie springt der Song von 2009 nach 2019 und wieder zurück. Er beleuchtet dabei HUA LIs traumatische Erinnerungen an Menschen und Orte, welche die Musikerin mithilfe dieses Songs zu überwinden versucht.


Spannend auch die Entstehung eines der echten Highlights des Albums, bei dem als Rap-singender Gast DARKUS MILLON mit auftaucht – „Whip Around“: „Während ich die meisten Songs auf diesem Album mit dem Klavier begonnen haben, hält dieser Track den Klavier-Sound durchgehend bei. Ich kämpfte damit, eine zweite Strophe für diesen Song zu schreiben und lud Darkus Millon ein, einen seiner unaufhaltsam fantasievollen Freestyles über meinen swingenden Keyboard-Part zu legen. Wir beide spielten mit dem Thema des Weggehens und des Zurückziehens in eine herausfordernde Beziehungsdynamik, wobei wir die Sehnsucht und die Verwirrung auf beiden Seiten der Geschichte erkundeten.“


Man spürt dem Album voller reifer Song-Früchte eben immer wieder an, dass ihr 'Oberfrüchtchen' HUA LI nicht nur als aktive Musikerin, sondern lange Zeit auch als Plattenauflegerin – sprich DJ – unterwegs war/ist und auf „Ripe Fruit Falls But Not In Your Mouth“ das Eine (eigene Musik) geschickt mit dem Anderen (unbedingte Tanzbarkeit samt fetter Sounds) zu vereinen versteht.

FAZIT: HUA LI, die kanadische Musikerin, die auch als Club-DJ unterwegs ist, entzündet auf ihrem zeitlich recht kurz geratenem Album voller reifer Früchte eine tanzbare Mixtur aus Rhythm'n'Blues, HipHop, Temporary Jazz, Techno, Trip Hop, Rap und Electro-Pop, die einem auf „Ripe Fruit Falls But Not In Your Mouth“ natürlich nicht in den geöffneten Mund fällt, sondern fleißig ertanzt und bei den problembeladenen Texten, in denen sie sich bemüht, „private Bekenntnisse auf einer lauten Platte“ unterzubringen, auch nachdenklich erschlossen werden will. Let's Dance mit Tiefgang... Besonders wirkungsvoll und wohltönend auf dem pinkfarbenen Vinyl samt bedruckter LP-Innenhülle und beigelegtem (leider etwas schwer lesbaren) Textblatt.


Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 1007x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A (17:26):
  • Born The Shape (3:48)
  • In The Fall (3:20)
  • Part Time Muses (3:19)
  • Feed Me Petals – feat. Ambrose Getz (3:39)
  • Cherrier (3:20)
  • Seite B (15:26):
  • Sanctions Of The Heart (3:14)
  • Whip Around – feat. Darkus Millon (2:44)
  • Innsbruck (3:16)
  • Crop Up (3:14)
  • Peonies (2:58)

Besetzung:

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